Donnerstag, 24. Dezember 2015

Daddy's Diary

Am Freitag, den 18.09. fand am Abend die Aufführung von "Daddy's Diary" in Emmanuel statt.

Emmanuel wird ganz gerne für diverse Veranstaltungen, sei es für eine Hochzeit, ein Konzert, oder auch auch als geeineter Hintergundsraum für professionelle "Graduation"bilder gemietet. Die Akustik ist sehr gut, es gibt ein gutes Tonsystem, Stühle statt Kirchenbänke wodurch eine Vielfalt von möglichen Konstellationen ensteht, eine gut erhaltene und auch moderne Küche, die Lage ist zentral, ganz zu schweigen natürlich von der wunschönen antiken Architektur.

Fotos folgen

Jedenfalls fand an diesem Abend eine Theateraufführung statt, bei der ich für die Erfrischungen in der Pause eingeteilt war, denn obwohl jedermann kommen konnte (mit Ticket), ging die Veranstaltung von der Gemeinde aus, da Jane Bower, Schauspielerin an diesem Abend, Mitglied der Gemeinde ist.

Was hat es aber nun mit dem Titel auf sich?

Ihr Vater, welcher im 2.Weltkrieg diente, ist mittlerweile ein schon sehr betagter Mann und gemeinsam mit ihm hat sie es sich diese Jahr zur Aufgabe gemacht gehabt all die angestauften und angesammelten Sachen in seinem Haus ein bisschen aufzuräumen und auszusortieren....es ist ja immer wieder erstaunlich, wie viel man sein ganzes Leben lang ansammelt, insbesondere, wenn man sich irgendwo für längere Zeit niederlässt.
An einem dieser Aufräumtage ist Jane schließlich auf eine Kiste mit Erinnerungen an den 2.Weltkrieg gestoßen: Soldatenanzug, Tabakdose, Orden...und Tagebücher!!!
Sie hat ihren Vater danach gefragt und sie fand sie so wertvoll und interessant, dass sie beschloss die Erfahrungen ihres Vaters mit anderen teilen and die Tagebücher dafür in einem kleinen selbstgeschrieben und selbstgespielten Theaterstück zu präsentieren. Deshalb der Titel "Daddy's Diary" (=Vaters Tagebuch).

Und ich muss sagen, es war einfach genial. ...Dazu sollte ich vielleicht sagen, dass die ganze Familie Bower eine sehr kreative und künstlerisch begabte Familie ist. Ihr Vater spielte Geige, ihre Mutter hatte tolle Ideen und konnte gut zeichen und malen (s.Eintrag über Kreuzworträstel, welcher noch kommt) und vermutlich noch mehr und Jane selbst hat sowohl eine Liebe für Musik, als auch ein Talent für Theater und Literatur. Außerdem hat auch sie immer gute Ideen und Beiträge zu allen möglichen Veranstaltungen (für die Verabschiedungsparty von Jan z.B. hat sie ein Lied umgeschrieben für den Chor und wird dazu einen Sketch einstudieren).
Achso, UND die ganze Familie besitzt Humor.
Das alles sollte schon darauf hindeutet, was für eine tolle und einmalige Vorführung "Daddy's Diary" war. Vorstellen kann man sich das Ganze wie folgt:
Die ganze Kirche war dunkel und nur der Altarraum (=Bühne) war erhellt. Die Requisiten waren überschaubar, aber definitiv genügend. So gab es zur Linken einen alten Sessel inkluisve Stehlampe, den Jane nutze um sich hinzusetzen und wie eine alte Geschichtenerzählerin aus dem Tagebuch vorzulesen. Außerdem hatte sie zur rechten Seite eine Kiste mit den alten Erinnerung ihres Vaters an den Krieg, welche sie ,ihren Vater mimend, begutachtete und präsentierte.
Jane selbst hat die Vorführung aus Auschnitten der Tagebücher, selbsterdachten Monolgen, nachempfundenen Szenen, eigenen Gedanken und ECHTEN Tonaufnahmen zusammengesetzt.
Es war einfach faszinierend, fesselend und unheimlich interessant. Jane ist eine wunderbare Schauspielerin und es war offensichtlich, wie stark ihr das ganze am Herzen lag.

Vielleicht fragt ihr euch, ob es für mich in irgendeinerweise schwer zu ertragen und sogar verletztend oder was weiß ich war....? (Auch Jane war sehr neugierig auf meine Reaktionen und meine Meinung und sie war ziemlich aufgeregt, zu wissen, dass ich als Deutsche im Publikum saß. Hat man ihr aber nicht angemerkt.)
Auf diese Frage kann ich nur antworten: Keineswegs.
Hauptsächlich hing das vermutlich damit zusammen, dass es nicht um Schuldzuweisung und den Massenmord an den Juden ging, sondern "einfach" die beispielhafte Geschichte eines Soldaten erzählt.
Janes Vater war auch nicht in der Front eingesetzt, sondern war in ganze Zeit über in Großbritanntien stationiert (er schätze sich deshalb als sehr glücklich ein). Trotzdem war er natürlich mit Zerstörung, Trauer, toten Kameraden, Entbehrung und Einsamkeit (seltene Gelegenheit de Familie zu besuchen) konfrontiert. Es war sehr berührend,  wie ihm das Geigenspiel, jedes Ei (besonderes Essen!), und jeder Brief von seiner Verehrten geholfen haben und er sich darauf stützen und freuen konnte.
Und seinen Humor hat dabei auch nie verloren!
Nun muss ich immer schmunzeln und an Janes Vater denken, wenn ich den Freudensausruf "Oh Boy!" höre, denn diesen benutzte er sehr gerne, sehr häufig in seinen Tagebüchern.

Noch ein kleiner abschließender Fakt, den ich sehr eindrücklich fand:
Janes Großvater diente im ersten Weltkrieg. Er wurde dabei bei einem Angriff schwer verletzt und dachte bereits, er würde sterben. Er wurde jedoch gefunden....von zwei deutschen Soldaten. Sie brachten ihn in ein Krankenlager, indem er von einem russichen Arzt gesund gepflegt wurde....

ich lass das mal so stehen

Janes Worte dazu waren: "Wäre mein Großvater gestorben, wäre mein Vater nie geboren, wäre ich nie geboren"....
und interessanterweise bezeichnet Janes Vater die Deustchen auch nie als Feinde..aber das mag auch andere Gründe haben

Ich bin sehr froh, an diesem Abend teilgenommen zu haben.

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